KNUST am 5. März 2016

Egal ob man daheim den Bildschirm anknipst, oder den Blick beim Schlendern über die Plakatwände streifen lässt: Allüberall singt die moderne Welt das Hohelied der Individualität. Da arbeiten wir gerne mal gegen den Trend und tun uns bei jeglicher Gelegenheit – was uns als von Natur aus volluniformierten Kollektivmatrosen leicht fällt – mit Anderen zusammen, um aus Viel ein M(e)e(h)r zu machen.  Anfang März ergab es sich also, dass wir in den uns wohlvert(r)auten Mauern des KNUST das erste greifbare Frühlingslüftchen einfingen und nach Matrosenart derart fachgerecht spleißten, dass daraus ein sachgerechter Sturm wurde: der 1. Hamburger Wellenbrecher.

So vertäuten wir unser Schiff genau zwischen der glattschwarzen Gröleone der Drangdüwels und dem schnittigen Zwerchfell-Schoner von Mr. Hurley & Die Pulveraffen und schaukelten einen Abend lang nebeneinander her. Mit den 500 Getreuen, die uns da aus Richtung des Haupt-, Zwischen- und Kanonendecks befeuerten, hatten wir genau die Richtigen an Bord genommen. Wir gingen erst auseinander, als auch wirklich das allerletzte Stückgut gelöscht war und es mit Nacht und Stimme zu Ende ging.

PG-Thanks

Nebenstehend seht Ihr unseren persönlichen Höhepunkt des Abends – da wir als erste Band den frühesten Feierabend hatten, konnten wir nach Hinten raus am dollsten Feiern.

Während Lou noch eisern den Schein wahrt, muss Thies sich bereits am Hut festhalten. Bill hat natürlich schon die Flasche am Hals, während Pinne längst auf dem Sprung ist.

 

Klabauternacht am 30.Oktober 2015

PG KutenholzDer Seemann an sich, das ist den meisten anderen Leuten ja gar nicht klar, hat schlechthin weniger Feiertage, als andere Leute. Das ist in einer Tatsache begründet, die – je nach Veranlagung – nach längerem Nachdenken, oder nach kurzer Erklärung offenbar wird. Hier die kurze Erklärung:
Wir Matrosen arbeiten ja nicht, so wie andere Leute an oder in unserer Arbeitsstelle, sondern darauf. Nämlich auf dem Schiff und wenn wir da Nichts tun, dann tut sich da auch Nichts  ->  Der Kahn bleibt stehen, treibt segel- und steuerlos hin und her, kippt auf kurz oder lang um und geht unter.

Zum Anderen, und da reden wir gar nicht gerne drüber, steigt uns der „gute“ Geist des Schiffes, der Klabautermann, auf’s Kajütendach, wenn wir uns das gemütlich machen wollen, obwohl Arbeit ansteht. Glücklicherweise ist der Klabautermann durch lustige Lieder und fesselnde Geschichten zu besänftigen, was wir uns einmal im Jahr zu Nutze machen.

In der Klabauternacht tun wir uns erst zusammen und dann einige kapitable Stories raus, mit mitreißenden Klangkasaden garniert. So auch dieses Jahr, beim legendären Kutenholz-Live im schönen Saal des Heimatmuseums.

Schaut mal, der Klabautermann war von unserem Tüdelü so hin und weg, dass Thies ihm sogar die Nase klauen konnte, ohne das der das mitbekam.

Knust-Acoustics am 14. Mai 2015

.... so gesehen von M. Schwerdt

…. so gesehen von M. Schwerdt

Seit langen Jahren sind wir dem KNUST, dem kulturellen Siedepunkt zwischen Schanzen- und Karoviertel in Hamburgs trendigem Herzen auf’s ebenso herzlichste verbunden  Daher gab es für uns auch kein Halten und Zögern, als es an diesem Nachmittag hieß: Auf zum Vatertagskonzert auf dem Lattenplatz vor dem Knust.

PG (Knust)Kaum angekommen und den ersten Akkord angesäuselt, brandete uns auch schon eine  Welle an Froheit entgegen, die sich rasch in den Kreuzseen unserer Melodiosität zu einem Kawentsmann der Ausgelassenheit auswuchs, auf dem wir und das Publikum in die Abenddämmerung hineinschaukelten.

Diesseits wie jenseits des wenig beeindruckenden Bühnenrands bewaffnete man sich mit Bratwurst und süffigem Bier und warf sich gegenseitig im Wechselspiel aufmunternde Melodiefetzen zu, aus denen Band und Publikum gemeinsam einen prächtigen Tampen schlugen.

Piet BullDer hielt dann tatsächlich noch bis in die frühen Morgenstunden des folgenden Tages, da wir endlich die diversen Kaschemmen der Schanze – von denen wir im Vorbeiwanken einige mit spontanen Kantaten beschallten – hinter uns ließen, und wieder in Richtung Hafen torkelten. Übrigens, so eine Runde durch die Gemeinde ist keine Einbahnstraße und man muss damit rechnen, dass bei allen beteiligten Parteien Eindrücke hinterlassen werden – manchmal auch faustförmige. Also: Wer sich im Stande fühlt, den Behörden bei der Suche nach nebenstehender schillernder Persönlichkeit informativ oder gar tatkräftig unter die Arme zu greifen, möge sich mit seinem überschüss … äh …schäumenden Mut an die zuständigen Stellen wenden

An Bord der ‚Alexander von Humboldt‘, 9. Mai 2015

Alle Mann an Deck!

Alle Mann an Deck!

Das schnittige Schiff mit den grünen Segeln ist jedem Kind der 80er ein Begriff – grüne Flaschen und Hans Hartz‘ knarziger Bariton inklusive. Aber noch heute ist die Alexander von Humboldt, obwohl sie es mittlerweile als würdige Rentnerin nunmehr etwas ruhiger angehen lässt, unter Nauthentikern ein Begriff und insbesondere für die Bürger der stolzen Hansestadt Bremen von herzensnaher Bedeutung.

Für unsere kleine Matrosencombo ist es ja seit letztem Jahr ebenso geliebte wie gelebte Tradition, den 9. Mai auf einem Traditionssegler zu begehen, daher fieberten wir dem Auftritt an diesem – im Wesentlichen – sonnigen Nachmittag entgegen. Die Crew empfing uns mit allerliebenswürdigster Herzlichkeit und allerlei kompetenter Gastlichkeit und wir ergriffen die Gelegenheit,  den Gästen, die zur Eröffnung des Hotel- und Restaurantbetriebs an Bord kamen,  mit unseren vertonten Erfahrungen nahezubringen, was der Matrose unter „Seensucht“ versteht.

PG vor Schiff

Oben links im Bild: Ein SPD-Vorsitzender

Eine ganz besondere, auf Gegenseitigkeit beruhende Überraschung, war die gleichzeitige Anwesenheit von Sigmar Gabriel, dem wir angelegentlich des Zusammentreffens an Oberdeck eine kurze musikalische Einweisung in wesentliche seemännische Themen geben durften. So kompetent informiert und begleitet wurde es für alle Anwesenden und in jeder Hinsicht ein hochwertiger Törn – bei dem die Gäste mehr ins Schwanken kamen, als das Schiff, das gut vertäut am Pier verblieb.

Full Metal Cruise vom 11. bis 13. April 2015

FMC IIVon allen luxuriösen schneeweißen Kreuzfahrtschiffen, die die Meere des guten Geschmacks durchpflügen, ist die „Mein Schiff“ vielleicht das größte, aber mit Sicherheit das lauteste. Zumindest in den Tagen, während derer an Bord die dröhnigste Party steigt, die sich – seit Bartholomew Roberts  legendärem Fest vor Widah – jemals einschiffte. Nicht nur aus rein seemännisch-professioneller Sicht fühlten wir uns also gleichermaßen geehrt, wie auch verpflichtet, auf der Full Metal Cruise in nautischer, wie auch in musikalischer Hinsicht unser Bestes zu geben. Ein frühmorgendliches Antritts-Ständchen beim Kapitän war uns ebenso Selbstverständlichkeit, wie im Verlauf der Seenotsrettungsübung unseren Mitreisenden den passenden Groove für die vorgeschriebene Rettungsboot-Polonaise anzubieten.

PG on FMC2

Foto: Ömmes

Auch dem Anspruch der Passagiere auf gefühlte Sicherheit konnten wir ebenso stilsicher wie -echt begegnen. Dafür dunsteten wir nicht nur seemännische Kompetenz aus unseren effektvollen Uniformen in die mediterrane Hitze, sondern versorgten auch für Stunden die diversen Fahrstühle des Schiffs mit ansprechenden Klängen. Abends lud uns dann – ebenso oder trotzdem? – Bord-DJ Maschine (Foto, links: ganz links) zur Radioshow und wir durften alles nochmal erklären.

FMC II Lou und ThiesAuch den aus Funk und Fernsehen bekannten romantischen see-seitigen Verpflichtungen des Seemanns, Liebende in den Hafen der Ehe zu geleiten (Alles Gute, Konny und Christian!), und Geburtstags- ständchen zu bringen (Alles Gute, Mambo Kurt!), wurden wir natürlich in der uns eigenen Art gerecht.

Das alles natürlich nur umrahmend zu unseren wild-durchschunkelten Auftritten im Casino am Heck, in derem Verlauf wir dem malerischen Auf-&-Ab der levantinischen Wellen ein musikalisches Hin-&-Her nauthentischer Klänge entgegenwirken ließen, bis sich – innerlich wie äußerlich – schließlich alles drehte.

Schmidt Theater in Hamburg am 6. April 2015

... so gesehen von Lorenz

… so gesehen von Lorenz

Links zu sehen, die Vier von der Pier (Bill, Pinne, Lou und Thies) segeln mit der „Farbenfrohen Kuh“ (Lizenzgründe) los, während ihnen vom Kai aus ein tränenreicher Abschied hinterhergewunken wird.  Schön zu sehen, oberhalb des rechten Matrosen: der „Blaue Peter“, der es mal wieder rechtzeitig geschafft hat, alle an Bord zu rufen.

Auch bei den „Brettern, die die Welt bedeuten“ handelt es sich um eine Art von Planken. Daher fühlten wir uns auch pudelwohl, als es an diesem Ostermontag darum ging, unser Musicalstück der Öffentlichkeit und einer geneigten Jury unter dem Vorsitz von Corny Littmann, hamburger Original und Betreiber des legendären Schmidt Theater auf der Reeperbahn, vorzustellen. Unter Verwendung unserer schmissigen Melodien, und mit tatkräftiger Mithilfe vieler lieber Leute – Choreograph Till, Musik-Arrangeur Timo und  sechzehn tollen Darstellern – wuppten wir eine 20-minütige Zusammenfassung unserer Entstehungsgeschichte auf die Bühne; denn mit unserem Beitrag: „Die Vier von der Pier“ war es uns im Oktober gelungen, unter die letzten 15 des Wettbewerbs „Creators – Neue Musicals braucht das Land“ zu kommen.

Bill (Frank) & Lou (Tom)

Bill (Frank) & Lou (Tom)

Es war für uns dann letztlich ein wenig seltsam, oben auf der Bühne einen Bill, einen Lou und einen Thies dabei zu beobachten, wie sie einen arglosen Pinne mit auf See zu schnacken versuchen („Vorsicht Jung, trau denen bloß nicht! Das ist doch eine Pressgeng!“). Einen Monat lang bereiteten wir uns, und die Darsteller sich auf die große Präsentation vor. Und kiek mol:  die Sache kam beim Publikum sehr gut an und unsere phantastischen Schauspieler wurden völlig zu Recht mit sehr viel Geklatsche bejubelt und am Ende sogar noch mit „Zugabe“-Rufen bedacht.

PG Selfie im Schmidts Am Schluss wurden wir – in unserer unglaubwürdigen Verkleidung als „ganz normale Leute“ – sogar selbst auf die Bühne gebeten (was wir in unserer praktischen, zielorientierten Art sofort als Gelegenheit für einen fotografischen Beweis nutzten). Auch wenn wir dann letztlich nicht gewonnen haben, war der Abend eine Vergnüglichkeit erster Kajüte und wir hoffen sehr, dass es uns irgendwo und irgendwann doch noch gelingen wird, den Leuten die zwei-Stunden Version unseres Stücks zu präsentieren.

Zur See in Hamburg am 31. Januar 2015

so gesehen von HEXE

… so gesehen von HEXE

Schon oft haben wir – an dieser Stelle, aber auch privat, gerne laut, stets eindringlich und immer anschaulich vor den Gefahren des ungezügelten Piratentums gewarnt. Häufig ernten wir da ungläubige Blicke und manch einer schaut uns gar mitleidig an; denn das Dasein als ehrlicher, aufrechter Mariner erscheint vielen als unspektacoolär, gar langweilig.

Nun gut, eingangs des Jahres, wenn die Vorsätze noch frisch sind, lässt sich so Mancher  zu Manchem hinreißen,  so auch wir. Und unter gutgemeintem Zureden unseres Freundes Matze, dem Wirt der legendären Taverna Cerritus sammelten wir uns im fernen Stellingen um gemeinsam mit den fisimatentigen Freibeutern von der Elmsfeuer und unseren best-foes-forever, den Richtbeil-Happen von Mr. Hurley & Die Pulveraffen. zu einem gemeinsamen Aushecken & Anecken zusammenzukommen.

Als die Kanonade der Kantaten verklang, war es im Westen Hamburgs bereits hell.

Scotchtoberfest am 4. Oktober 2014

Dem  Seemann sind insbesondere die Schotten lieb, die ordentlich dicht sind. Dann fährt sich’s gleich nochmal so gut durch’s Sturmgebraus dahin. Aber dichte Schotten und stürmisch-brausender Applaus – das gibt’s beim Scotchtoberfest, zu dem unser Freund MacPiet einmal  jährlich alles Schottlandnahe auch von fern zusammendudelt. Scotchto-PinneKlar wollten wir dabeisein – aber wie würde man auf uns reagieren, dort wo die Männer Röcke und die Frauen Männer tragen? Neben hochprozentigem Kulturaustausch an der Uisge-Bar nahmen wir auch an weiteren schottischen Traditionen anteil, wie „Musik-good-finding“ und „Schunkling and Jumping“. Sogar eine große Trupe von Männern und Frauen mit lauthalsigen Dudelsäcken war dabei! In gewohnter vorauseilender Empathie spleißten wir rasch hinter der Bühne einige unserer gewohnten Seemannsgarn-Taue auf caledonisch um. Und als wir dann unseren nagelneuen Klassiker „Scotch aus Jamaika“ dem hochlandigem Publikum entgegenschleuderten, kam eine Springflut an Hochprozentiger Froheit zurück.

Pirates-Festival, 29. bis 30. August 2014

Abenteuerliche Welt der rechtschaffenen Marine

Abenteuerliche Wunderwelt der rechtschaffenen Marine

Die Niedertracht offenbart sich bereits im Spielwarengeschäft. Da verkauft man Plastikfiguren unter dem Motto „Abenteuerliche Piraten-Wunderwelt“ an – dadurch sicher nicht mehr lange – unschuldige Kinder, die folglich beim nächsten Karneval mit Plastiksäbel und Augenklappe durch die Straßen yarrr-harr’n.

Es sind für uns gerade jene populären trends, die unsere Aufmüpfigkeit befeuern und kein Strom ist breit genug, dass wir nicht versuchen würden, gegenan zu schwimmen. So auch dieses Jahr wieder beim Pirates in Jülich wo sich erneut zahlreiche Wogenstreifer und Dublonengreifer zusammengerottet haben, um einen auf „Spaß für die ganze Familie“ zu machen. aber nicht mit uns  … äh … nicht ohne uns, natürlich!

Bernstorffstraßenfest am 23. August 2014

PG-BernstorffstraßeDie Bernstorffstraße in Hamburgs Westen ist ein geschichtsträchtiges Pflaster. Hier verläuft die Grenze zwischen dem – unter Seeleuten sehr beliebten – Stadtteil Sankt Pauli und dem Bezirk Altona, der schon immer für Freizügigkeit und sonstige Liberalitäten stand … zudem lange Zeit in dänischem Besitz war und die erlauben sich ja bekanntermaßen so Einiges.

So gab es für uns kein Zögern und kein Zaudern, als uns die dort ansässigen Fischköppe zwecks Straßenfestbeschallung auf die Bühne luden.

Wir warteten noch mal eben, taktisch klug, den Riss in der allhimmelich dräuenden Regenwolke ab und schunkelten dann drauflos, bis die Anwesenden dermaßen in Schwung kamen, dass zwischen Altonaern und Paulianern gar kein Unterschied mehr auszumachen war.