Gassenhauer Nienburg am 10. November 2018

Im malerischen Nienburg an der Weser sorgt die lokale Zeitung Die Harke dafür, dass jeder  Nienburger über sein Nienburg Bescheid weiß. Einmal im Jahr. Organisiert dieses Lokalblatt ein Kneipenfestival in den lokalen Lokalen. Für dieses Gassenhauer-Festival  strömten an diesem windigen Novembertag mehr als ein Dutzend Bands in die Nienburger Altstadt und füllten die Kneipen mit Rhythmus, Klang & Gesang.

Wir fanden uns im Wirtshaus zum Schwarzen Keiler ein, um an diesem Abend unsere nauthentischen Mitbringsel unter die feierwütigen Nienburger zu bringen. Dafür wurde uns direkt gegenüber des Eingangs – taktisch günstig zwischen Treppenaufgang und  Küche – eine phantastische Bühne bereitet, die wir melodiös in Seegang versetzten.

im Verlaufe einer gewaltigen mehrstündigen Feierei kramten wir aber auch jede noch so unglaubwürdige Geschichte aus der Seekiste und sponnen daraus ein stabiles Seemansgarn, mit dem wir die Nienburger kunstvoll umgarnten. Der Morgen begann, wie der Abend endete, mit einer gemeinsamen Session mit unseren lieben Freunden von Toe The Line, die sich nach ihrem umjubelten Auftritt im Kulturwerk zu einem Absacker Schwarzen Keiler eingefunden hatten.

KNUST am 11. September 2018

An diesem sonnigen Dienstagabend waren wir endlich einmal wieder auf Landgang in der „schönsten Stadt der Welt“ – zumindest lt. bescheidender Eigeneinschätzung.

Wir taumelten gerade, oder eben auch gerade nicht, zwischen Sankt Pauli (im Szenejargon „Pauli“ genannt), dem Schanzenviertel – dem Kenner als „Schanze“ bekannt – und dem Karoviertel (im hippen Neusprech oft als „Karoviertel“ bezeichnet) umher, als wir auf dem Lattenplatz vor dem KNUST eine Bühne entdeckten. Da davor Tische!  Da herum Leute!

Verlegenheiten in Gelegenheiten zu wandeln, darin sind wir ja bekanntlich ganz groß. Also enterten wir die Bühne und beschunkelten unser Publikum nach allen regeln der Seemannskunst. Unsere lieben Freunde, die Crew w vom legendären KNUST bereitete uns kompetent und flexibel hierfür einen Abend lang eine Bühne.

Krakenfest am 5. Mai 2018

Seit langer Zeit sorgt die fanta(sy)tastische Manufaktur der Freunde von Freyhand im Süden Hamburgs für unsere ganz persönlichen Merchandise-Produkte. Von deren Qualität könnt Ihr Euch übrigens oben unter dem Button „Souveniers“ überzeugen. Daher nutzten wir an diesem sonnigen Sonntagvormittag herzlich gerne die Gelegenheit, unter dem schattigen Sonnensegel des Krakenfestes aufzutreten.

Auf dem ländlichen Anwesen am Rande der Hansestadt, wo die Freyhändigen ihre Werkstätten haben, waren zahlreiche Marktstände aufgebaut. Zudem gab es auch reichlich für leibliche Bedürfnisse und allerorten herrschte gute Laune und überschäumende Froheit. Nur uns gefror das Grinsen praktisch im Angesicht, als wir wenige Augenblicke vor unserem Auftritt feststellten, dass wir unsere Hüte an Bord vergessen hatten.

Glücklicherweise waren wir ja von zahlreichen ebenso einfallsreichen wie großzügigen Leuten umgeben, die aus dem Stand eine spontane Hut-Sammlung für uns organisierten. Dabei kam eine ganze Ladung an exklusiven Kopfbedeckungen zusammen, aus denen wir uns reichlich bedienen konnten.

 

KNUST am 31. März 2018

Wenn die Eisschollen sich gen Norden zurückziehen und der freundliche Südwind die Lüfte erwärmt, beginnt für den Seemann wieder die Fahrenszeit. Daher feiern wir in jedem Frühling den Hamburger Wellenbrecher, zu dem wir uns jedesmal nautische Unterstützung an Bord holen, indem wir uns andere Musiker einladen, um für einen Abend – und die halbe  Nacht – die Liebe, die Treue und die Seensucht zu feiern.

… so gesehen von Konny

Ende März war es wieder soweit. Ein Haufen sangesfreudiger Musikanten enterte die Bühne des legendären KNUST, während sich mehrere Haufen hörwilliger Zuschauer davor zusammenballten.  Zur Eröffnung des Abend packten die Traditionalisten von Wide Range ihr ganzes beneidenswertes Können in Sachen tunes, jigs & reels aus und formten aus dem feierfreudigen Publikum einen formschönen Hüpfballon, der zu den Melodien der Grünen Insel, von Alba und Americana hoppste.

… so gesehen von Konny.

Danach bekamen wir Gelegenheit, in das heißgeschunkelte Meer der Sympathie hinauszutauchen, das uns Wide Range vor der Bühne hinterlassen hatte. An den Anfang hatten wir einige unserer persönlichen Lieblings-Melodien gepackt. Da es uns immer schwerfällt, zu entscheiden, welche eigentlich die beste ist, spielen wir sie manchmal alle zusammen. Gleichzeitig. Nach diesem und anderen nauthentischen Kunst- und Kabinettstückchen hatten wir eigentlich geplant, uns nach zwei Stunden mit unserem neuen Raus-Schunkler „Abschied“ von der Bühne zu verschunkeln. Diese Milchmädchenrechnung verkäste uns das jubelnde Publikum aber gründlich. Erst nach reichlich Zugaben und Zurücklassung unserer gebrochenen Herzen, wesentlicher Teile der Bühnendekoration und unseres Ultralight-Matrosen Hassel Brook ließ man uns von der Bühne. Nach kurzer Sammlung versammelten wir uns dann mit allen Anderen davor.

… so gesehen von Konny.

Genau rechtzeitig, denn anschließend legten Ye Banished Privateers mit ihrem piratigen Power-Folk richtig los. Die multi-instrumentellen Gesangeskünster aus Schweden füllten die Bühne sowohl personell als auch charismatisch gesehen vollkommen aus und rissen jeden mit in einen rasanten Strudel aus nauthentischen Melodien und damit unterlegten Sanges-Geschichten über heimelige Häfen, deren übel beleumd- und beleuchtete Tavernen, dort im Zwielicht lauernde Halunken, von diesen ausgehaltene herz- und genickbrechende Bordsteinschwalben und entsprechend stockbetrunkene Glücksritter.

Im Hintergrund Stimmung, im Vordergrund der Grund

Mittlerweile ist es auf dem Hamburger Wellenbrecher bereits gelebte Tradidition, dass unser Freund MacPiet am Schluss die „Schotten dicht“ macht.  So nahm er denn auf dem Höhepunkt der Nacht die Gitarre auf und stellte sie nicht vor Ankunft der Morgendämmerung  wieder weg. So schunkelten wir alle im Scheine der beerlights durch das Foyer des KNUST, bis schließlich nicht nur mehr die Schotten dicht waren.

Am Schluss stand dann auch nicht mehr viel, dennoch Eines fest:

Der 3. Hamburger Wellenbrecher war einmalig… aber nicht unwiederholbar.  

Wacken vom 23. bis zum 25. Februar 2018

Wer Wacken kennt, der weiß: Von Wacken bekommt man nie genug! Um den Kernaufgabenbereich des traditionsreichen Festivals herum haben sich inzwischen über die Jahre einige weitere Veranstaltungen hinzugefügt. Dazu gehört zum Beispiel die Full Metal Cruise, auf der  wir uns ja bereits vor einiger Zeit einmal einschiffen durften. Die ganz harten Metallköpfe finden sich allerdings im Februar zu den Wacken Winter Nights in der norddeutschen Tiefebene ein. Angesichts der vor-frühlingshaften Kühle ist es allerdings ratsam, dabei gewisse kleidungstechnische Kompromisse zu machen – siehe der schnittig textilisierte Männerchor rechts.

so gesehen von Torsten Henneken

Üblicherweise versuchen wir es zu vermeiden, auf Landgängen allzu weit vom Meer weg zu sein, um immer eine sichere Fluchtroute heim auf See zu haben, wenn den Landratten unsere spezielle seemännische Charmantizität nicht so gut gefallen sollte. Aber da sich praktisch in fußläufiger Entfernung mit dem Nord-Ostsee-Kanal die meistbefahrenste Wasserkünstlichkeit der Welt zwischen Steinburger Nichts und Rendsburger Wenigkeit entlangschlängelt, auf der wir uns seit der unvergessenen & legendären Wacken-Weihnachtsfeierei auf der Nordstern gut auskennen,  trauten wir uns für ein paar Tage tief rein in die grüne – später zunehmend weißere – Landschaft.

so gesehen von Torsten Henneken

Und das lohnte sich, denn in dem holzbehütteten Rock-Dörflein, das sich da zwischen den mittelholsteinischen Mystic-Woods in die Landschaft schmiegte, fühlten wir uns gleich wie zu Hause. Voller Begeisterung für die lang-gerade gewachsenen Pieksebäume stellten wir uns unmittelbar nach Ankunft mitten ins Gewächs und trällerten den floralen Grünlingen unsere seensuchtsvollen Melodien vor, um zu testen, welches Bäumelein für unsere Bunte Kuh als Ersatzmast in Frage käme.  Alsbald sammelten sich allerdings zahlreiche Rockjünger um uns herum und wogten im Takt des Klanges der Meere mit den Tannen um die Wipfel… äh, Wette.

Gegen Abend hatten wir das besondere Vergnügen im legendären Wackinger aufzutreten.  Unter dem rhythmischen Stampfen der dort von uns unter Einsatz der rasantesten Jigs & Reels in Bewegung gesetzten maritimen Polonäse läuteten wir die eisige Wacken-Winter-Nacht ein. Doch so kalt es draußen war, drinnen wurde die Kleidung der durch Musik und Prozente inspirierten Mit-Schunkler immer weniger. Als wir wieder zu uns kamen, war Morgen. Dennoch trafen wir pünktlich zu unserem Mittags-Gig im Theatre of Grace wieder im Wacken-Dorf ein. Inzwischen hatte man uns dort freundlicherweise sogar eine eigene Kajüte bereitet. Da gab es, extra für uns, ein privates und warmes Plätzchen, hurrah!  Bill blies die Freude glatt den Hut vom Kopf.

Die Wacken Winter Nights waren für uns ein ganz besonderes Erlebnis und jedem, der von der Stimmung an diesem magischen Ort als einmalig, freundlich, und harmonisch berichtet, können wir aus voller Überzeugung nur zustimmen.

Gibson Brands am 31. Januar 2018

Wer sich mit zeitgemäßer Musik – und wie sie gemacht wird – auskennt, dem ist der Name Gibson ein Begriff. Die Marke steht vor Allem für legendäre Gitarren auf denen ebenso legendäre Gitarristen unsterbliche Klassiker vertont haben.

Aber auch für die Hörbarmachung von Tönen ist Gibson zuständig. Entsprechend ist der kleine Konzertsaal von Gibson Innovations, etwa acht Stockwerke über der Nordkanalbrücke „the place to be“ für jeden, der sich legendäre Töne zutraut.

So war es für uns eine ganz besondere Freude, als unsere lieben Freunde von SofaConcerts uns den heißen Tipp gaben, an diesem frösteligen Januar-Abend einmal in der Gibson-Lounge vorbeizuschauen. Hier hatte sich die gesamte feierwütige Truppe von Gibson-Innovations versammelt, um einen informativen und arbeitsreichen Tag hanseatisch ausklingen zu lassen. Und wenn es um „klingen“ geht, ist man bei uns an der besten Adresse.

Umringt von präsentabel ausgestellten Modellen des legendären Gitarren-Herstellers und adäquat vertönt durch allerfeinstes und topmodernes Audio packten wir also unsere liebsten Melodien aus. Und nur wenige Augenblicke später schunkelte die ehrwürdige Bühne, die schon zahlreichen legendären Musikern Grund und Boden geboten hatte, im Takt unserer seensuchtsvollen Klänge.

Seemannsmission am 16. September 2017

Einmal im Jahr gehen in ganz Hamburg alle Kirchentüren gleichzeitig auf und begrüßen die Hanseaten zur Nacht der Kirchen.  An diesem ganz besonderen Abend versammelten wir uns in den ebenso heiligen wie heimeligen Hallen der Seemannsmission  direkt an der Hafenkante von Altona. Hier bekommt der Seemann viel Gutes und Hilfreiches für Herz, Leib und Seele und in dieser Nacht sogar ein paar Stunden lang ordentlich auf die Ohren.

Zunächst mischten wir uns vor der Kapelle unter die Leute, die auf den Gottesdienst warteten. So erkannten und ergriffen wir die Gelegenheit und begannen aus dem „Buch Freddy“ zu predigen. Da wir in weiser Voraussicht sogar die besten Passagen in ausgedruckter Form dabei hatten und verteilten, hatten wir bald aus der musikalischen Menge im Gitarreumdrehen einen kapitalen Chor geformt.

Nach der Andacht positionierten wir uns strategisch nahe der Essensausgabe, denn wenn die Seele genährt ist, will der ja der Leib gern nachziehen. Und wieder trug unsere Planung Früchte, denn im Nu fanden sich viele Zuhörer zur Ausgabe der Shanty-Ration ein. So schunkelten wir im Licht der gegenüferliegenden Werftscheinwerfer zu den Klängen der Meere und bekehrten manch eingefleischte Landratte zum Seebären.

Nach einem langen Abend nauthentischer Beseelung stiegen wir schließlich in die tiefergelegenen Kellerräume der Seemannsmission hinab, die eine fulminante Bar beherbergt, wo wir gleich dem einen oder anderen Spirituellem zusprachen. Aber allzuviel Entspannung war uns noch nicht gegönnt, denn kaum drehten wir uns mit den Klaren von der Theke zum offenen Raum hin um,  standen wir vor einer Wand offener Ohren, die gefüttert werden wollten. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal implizieren. Hurtig hievten wir die Instrumente und taten artig sofort noch ein, zwei… unddreißig Stücke raus.

Als uns schließlich vor nichts mehr, der Morgen aber dennoch graute, taumelten wir Arm in Arm den Hafenboulevard in Richtung Fischmarkt hinauf, wo schon weitere Abenteuer auf uns warteten – aber davon ein andermal (sobald wir uns wieder erinnern).

KNUST am 5. September 2017

Mittlerweile ist es für uns wie ein zweites zu Hause: das KNUST im Zentrum des szenigen Trubels der Hansestadt. Und auch optisch tut sich nicht viel, denn ob Deck oder Lattenplatz – beides hat Planken. Auf Diesen traten wir auch diesen Herbsteingang wieder einmal mit Ansage, an der frischen Luft, sowie völlig  kostenlos  auf, um unsere nauthentischen seensuchtsvollen Melodien zwischen Karo- und Schanzenviertel zu Gehör zu bringen.

Normalerweise hört man uns so tief inlandig ja nicht, denn alles über eine Meile weg vom Hafen schafft der Seemann auf Landgang nicht – oder wenn, dann nicht bei Sinnen. Aber diesen Dienstag Nachmittag hatten wir es ganz diszipliniert, uns gegenseitig den Mund zuhaltend und einander an den Kaschemmen und Tavernen vorbeizerrend, wieder einmal bis zum KNUST geschafft. Dort erwartete uns bereits der Zuhörer gespannte Meute – nach den ersten Akkorden bildete sich tatsächlich eine ausdauernde und einfallsreiche Spontan-Choreo-Gruppe. Merke, wo andere Bands eine Slam-Dance-Area oder einen Pogo-Pit haben, haben wir eine Hard-Schunkel-Geng.

Unterstützt von vielen alten und vielen neuen Freunden feierten wir zwei Stunden lang eine Extra-Wache ab, die sich mit allen Wassern gewaschen hatte. Wir begossen Pinnes balderwartetes Steuermannspatent, hielten uns  beim warnenden Klang von Thies‘ Glocke der Schamhaftigkeit die Ohren zu und hörten dennoch bei Lous losen Ausplaudereien besonders gut hin. Unser einmaliges Publikum ließ uns dabei auf Wellen der Zuneigung wogen und warf unser gefälliges Geplitscher schunkelnd und singend zurück, bis wir alle in Kreuzseen des Quatsches seelig versanken.

Alsterdorfer Stadtfest am 16. Juli 2017

Der Matrose auf Landgang ist darauf angewiesen, dass er rasch Anschluss bekommt, denn im Prinzip ist er überall, wo nicht „an Bord“ ist, ein Fremder. Daher nutzen wir jede Gelegenheit, uns gerne oft und möglichst schnell bekannt zu machen. Unsere erste Wahl sind die überall an Land gerade im Sommer gerne gefeierten Stadtfeste. So stolperten wir an diesem humiden Sommertag über das Alsterdorfer Stadtfest.

Es war glückliches Geschick, dass die lokale Ordnung von der Hamburger Türsteherlegende Viktor Hacker gewährleistet wurde, mit dem wir uns auf Anhieb gut verstanden. Er fand dann auch –  wie man es von der Zunft gewohnt ist – genau die richtigen Worte für die Ankündigung unseres Auftritts. So öffneten sich uns Ohren und Herzen, in die wir uns sofort,  praktisch auf Engelszungen, hineinschunkelten.

Dem Seemann ist hartäckige Feuchtigkeit in der näheren Umgebung ja ein vertrautes Phänomen, aber der Landratte ist Nässe, insbesondere solche, die von oben kommt, eher suspekt. Entsprechend wussten wir es sehr zu schätzen, dass uns das Alsterdorfer Publikum während unserer zunehmend feuchter werdenden Auftrittszeit nicht nur gewogen, sondern auch noch in erheblichem Maße erhalten blieb.

 

Birdland am 23. Juni 2017

Seit den 80’er Jahren ist das Birdland im angesagten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel die erste Adresse für Freunde musikalischer Delikatessen. An diesem lauen Sommerabend versammelten wir zahlreiche alte und neue Freunde in dieser atmosphärischen Kellerkneipe und entzündeten – entsprechend der seemännischen Selbstverpflichtung bei ausgeprägtem Landgang – ein launiges Leuchtfeuer des nauthentischen Frohsinns.

Unter dem selbstgewählten Motto „Jetzt mal unter uns“  gaben wir uns die Gelegenheit, einmal reichlich Souveniers unseres bisherigen musikalischen Törns auszupacken, die wir entsprechend bereitwillig ergriffen (also Gelegenheit und Souveniers) und dann artig herumreichten. Von Sonnenuntergang bis weit nach Mitternacht schunkelten wir und das Publikum gemeinsam auf unserem handtaschengroßen „La mer“, gruselten uns vor dem speckigen Hut von „Piet Bull“ und lutschten an den Kieseln der „Rosa Bonsche Insel“.

Gerade als es zur Hundewache läutete und wir unsere Lippen zu einem abschließendne Tschüß spitzten, entdeckte Lou hinten auf der Bühne einen Konzertflügel, der uns bis dahin völlig entgangen war. Dass so ein Pianoforte im Prinzip auch nichts anderes ist, als eine horizontale Sehnsuchtsquetsche ohne Fächerfunktion, bewies er, indem er nun einen überraschenden zweiten Teil des Abends  einläutete. Das imponierte insbesondere den Damen, wusste doch bereits Lous großes Vorbild Jopi Heesters: „Man müsste Klavier spielen können“.

Mit viel Tastengeklimper von oben runter, und viel Augengeklimper von unten hoch klang dieser unvergessliche Abend voller Romantizität unter gegenseitigen unglaubwürdigen Beteuerungen aus. Als wir aus den Untiefen der szenigen Kellerbar nach draußen krabbelten, stach uns bereits die Morgensonne in die betränten Augenwinkel.