KNUST am 31. März 2018

Wenn die Eisschollen sich gen Norden zurückziehen und der freundliche Südwind die Lüfte erwärmt, beginnt für den Seemann wieder die Fahrenszeit. Daher feiern wir in jedem Frühling den Hamburger Wellenbrecher, zu dem wir uns jedesmal nautische Unterstützung an Bord holen, indem wir uns andere Musiker einladen, um für einen Abend – und die halbe  Nacht – die Liebe, die Treue und die Seensucht zu feiern.

… so gesehen von Konny

Ende März war es wieder soweit. Ein Haufen sangesfreudiger Musikanten enterte die Bühne des legendären KNUST, während sich mehrere Haufen hörwilliger Zuschauer davor zusammenballten.  Zur Eröffnung des Abend packten die Traditionalisten von Wide Range ihr ganzes beneidenswertes Können in Sachen tunes, jigs & reels aus und formten aus dem feierfreudigen Publikum einen formschönen Hüpfballon, der zu den Melodien der Grünen Insel, von Alba und Americana hoppste.

… so gesehen von Konny.

Danach bekamen wir Gelegenheit, in das heißgeschunkelte Meer der Sympathie hinauszutauchen, das uns Wide Range vor der Bühne hinterlassen hatte. An den Anfang hatten wir einige unserer persönlichen Lieblings-Melodien gepackt. Da es uns immer schwerfällt, zu entscheiden, welche eigentlich die beste ist, spielen wir sie manchmal alle zusammen. Gleichzeitig. Nach diesem und anderen nauthentischen Kunst- und Kabinettstückchen hatten wir eigentlich geplant, uns nach zwei Stunden mit unserem neuen Raus-Schunkler „Abschied“ von der Bühne zu verschunkeln. Diese Milchmädchenrechnung verkäste uns das jubelnde Publikum aber gründlich. Erst nach reichlich Zugaben und Zurücklassung unserer gebrochenen Herzen, wesentlicher Teile der Bühnendekoration und unseres Ultralight-Matrosen Hassel Brook ließ man uns von der Bühne. Nach kurzer Sammlung versammelten wir uns dann mit allen Anderen davor.

… so gesehen von Konny.

Genau rechtzeitig, denn anschließend legten Ye Banished Privateers mit ihrem piratigen Power-Folk richtig los. Die multi-instrumentellen Gesangeskünster aus Schweden füllten die Bühne sowohl personell als auch charismatisch gesehen vollkommen aus und rissen jeden mit in einen rasanten Strudel aus nauthentischen Melodien und damit unterlegten Sanges-Geschichten über heimelige Häfen, deren übel beleumd- und beleuchtete Tavernen, dort im Zwielicht lauernde Halunken, von diesen ausgehaltene herz- und genickbrechende Bordsteinschwalben und entsprechend stockbetrunkene Glücksritter.

Im Hintergrund Stimmung, im Vordergrund der Grund

Mittlerweile ist es auf dem Hamburger Wellenbrecher bereits gelebte Tradidition, dass unser Freund MacPiet am Schluss die „Schotten dicht“ macht.  So nahm er denn auf dem Höhepunkt der Nacht die Gitarre auf und stellte sie nicht vor Ankunft der Morgendämmerung  wieder weg. So schunkelten wir alle im Scheine der beerlights durch das Foyer des KNUST, bis schließlich nicht nur mehr die Schotten dicht waren.

Am Schluss stand dann auch nicht mehr viel, dennoch Eines fest:

Der 3. Hamburger Wellenbrecher war einmalig… aber nicht unwiederholbar.  

Wacken vom 23. bis zum 25. Februar 2018

Wer Wacken kennt, der weiß: Von Wacken bekommt man nie genug! Um den Kernaufgabenbereich des traditionsreichen Festivals herum haben sich inzwischen über die Jahre einige weitere Veranstaltungen hinzugefügt. Dazu gehört zum Beispiel die Full Metal Cruise, auf der  wir uns ja bereits vor einiger Zeit einmal einschiffen durften. Die ganz harten Metallköpfe finden sich allerdings im Februar zu den Wacken Winter Nights in der norddeutschen Tiefebene ein. Angesichts der vor-frühlingshaften Kühle ist es allerdings ratsam, dabei gewisse kleidungstechnische Kompromisse zu machen – siehe der schnittig textilisierte Männerchor rechts.

so gesehen von Torsten Henneken

Üblicherweise versuchen wir es zu vermeiden, auf Landgängen allzu weit vom Meer weg zu sein, um immer eine sichere Fluchtroute heim auf See zu haben, wenn den Landratten unsere spezielle seemännische Charmantizität nicht so gut gefallen sollte. Aber da sich praktisch in fußläufiger Entfernung mit dem Nord-Ostsee-Kanal die meistbefahrenste Wasserkünstlichkeit der Welt zwischen Steinburger Nichts und Rendsburger Wenigkeit entlangschlängelt, auf der wir uns seit der unvergessenen & legendären Wacken-Weihnachtsfeierei auf der Nordstern gut auskennen,  trauten wir uns für ein paar Tage tief rein in die grüne – später zunehmend weißere – Landschaft.

so gesehen von Torsten Henneken

Und das lohnte sich, denn in dem holzbehütteten Rock-Dörflein, das sich da zwischen den mittelholsteinischen Mystic-Woods in die Landschaft schmiegte, fühlten wir uns gleich wie zu Hause. Voller Begeisterung für die lang-gerade gewachsenen Pieksebäume stellten wir uns unmittelbar nach Ankunft mitten ins Gewächs und trällerten den floralen Grünlingen unsere seensuchtsvollen Melodien vor, um zu testen, welches Bäumelein für unsere Bunte Kuh als Ersatzmast in Frage käme.  Alsbald sammelten sich allerdings zahlreiche Rockjünger um uns herum und wogten im Takt des Klanges der Meere mit den Tannen um die Wipfel… äh, Wette.

Gegen Abend hatten wir das besondere Vergnügen im legendären Wackinger aufzutreten.  Unter dem rhythmischen Stampfen der dort von uns unter Einsatz der rasantesten Jigs & Reels in Bewegung gesetzten maritimen Polonäse läuteten wir die eisige Wacken-Winter-Nacht ein. Doch so kalt es draußen war, drinnen wurde die Kleidung der durch Musik und Prozente inspirierten Mit-Schunkler immer weniger. Als wir wieder zu uns kamen, war Morgen. Dennoch trafen wir pünktlich zu unserem Mittags-Gig im Theatre of Grace wieder im Wacken-Dorf ein. Inzwischen hatte man uns dort freundlicherweise sogar eine eigene Kajüte bereitet. Da gab es, extra für uns, ein privates und warmes Plätzchen, hurrah!  Bill blies die Freude glatt den Hut vom Kopf.

Die Wacken Winter Nights waren für uns ein ganz besonderes Erlebnis und jedem, der von der Stimmung an diesem magischen Ort als einmalig, freundlich, und harmonisch berichtet, können wir aus voller Überzeugung nur zustimmen.

Gibson Brands am 31. Januar 2018

Wer sich mit zeitgemäßer Musik – und wie sie gemacht wird – auskennt, dem ist der Name Gibson ein Begriff. Die Marke steht vor Allem für legendäre Gitarren auf denen ebenso legendäre Gitarristen unsterbliche Klassiker vertont haben.

Aber auch für die Hörbarmachung von Tönen ist Gibson zuständig. Entsprechend ist der kleine Konzertsaal von Gibson Innovations, etwa acht Stockwerke über der Nordkanalbrücke „the place to be“ für jeden, der sich legendäre Töne zutraut.

So war es für uns eine ganz besondere Freude, als unsere lieben Freunde von SofaConcerts uns den heißen Tipp gaben, an diesem frösteligen Januar-Abend einmal in der Gibson-Lounge vorbeizuschauen. Hier hatte sich die gesamte feierwütige Truppe von Gibson-Innovations versammelt, um einen informativen und arbeitsreichen Tag hanseatisch ausklingen zu lassen. Und wenn es um „klingen“ geht, ist man bei uns an der besten Adresse.

Umringt von präsentabel ausgestellten Modellen des legendären Gitarren-Herstellers und adäquat vertönt durch allerfeinstes und topmodernes Audio packten wir also unsere liebsten Melodien aus. Und nur wenige Augenblicke später schunkelte die ehrwürdige Bühne, die schon zahlreichen legendären Musikern Grund und Boden geboten hatte, im Takt unserer seensuchtsvollen Klänge.

Seemannsmission am 16. September 2017

Einmal im Jahr gehen in ganz Hamburg alle Kirchentüren gleichzeitig auf und begrüßen die Hanseaten zur Nacht der Kirchen.  An diesem ganz besonderen Abend versammelten wir uns in den ebenso heiligen wie heimeligen Hallen der Seemannsmission  direkt an der Hafenkante von Altona. Hier bekommt der Seemann viel Gutes und Hilfreiches für Herz, Leib und Seele und in dieser Nacht sogar ein paar Stunden lang ordentlich auf die Ohren.

Zunächst mischten wir uns vor der Kapelle unter die Leute, die auf den Gottesdienst warteten. So erkannten und ergriffen wir die Gelegenheit und begannen aus dem „Buch Freddy“ zu predigen. Da wir in weiser Voraussicht sogar die besten Passagen in ausgedruckter Form dabei hatten und verteilten, hatten wir bald aus der musikalischen Menge im Gitarreumdrehen einen kapitalen Chor geformt.

Nach der Andacht positionierten wir uns strategisch nahe der Essensausgabe, denn wenn die Seele genährt ist, will der ja der Leib gern nachziehen. Und wieder trug unsere Planung Früchte, denn im Nu fanden sich viele Zuhörer zur Ausgabe der Shanty-Ration ein. So schunkelten wir im Licht der gegenüferliegenden Werftscheinwerfer zu den Klängen der Meere und bekehrten manch eingefleischte Landratte zum Seebären.

Nach einem langen Abend nauthentischer Beseelung stiegen wir schließlich in die tiefergelegenen Kellerräume der Seemannsmission hinab, die eine fulminante Bar beherbergt, wo wir gleich dem einen oder anderen Spirituellem zusprachen. Aber allzuviel Entspannung war uns noch nicht gegönnt, denn kaum drehten wir uns mit den Klaren von der Theke zum offenen Raum hin um,  standen wir vor einer Wand offener Ohren, die gefüttert werden wollten. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal implizieren. Hurtig hievten wir die Instrumente und taten artig sofort noch ein, zwei… unddreißig Stücke raus.

Als uns schließlich vor nichts mehr, der Morgen aber dennoch graute, taumelten wir Arm in Arm den Hafenboulevard in Richtung Fischmarkt hinauf, wo schon weitere Abenteuer auf uns warteten – aber davon ein andermal (sobald wir uns wieder erinnern).

KNUST am 5. September 2017

Mittlerweile ist es für uns wie ein zweites zu Hause: das KNUST im Zentrum des szenigen Trubels der Hansestadt. Und auch optisch tut sich nicht viel, denn ob Deck oder Lattenplatz – beides hat Planken. Auf Diesen traten wir auch diesen Herbsteingang wieder einmal mit Ansage, an der frischen Luft, sowie völlig  kostenlos  auf, um unsere nauthentischen seensuchtsvollen Melodien zwischen Karo- und Schanzenviertel zu Gehör zu bringen.

Normalerweise hört man uns so tief inlandig ja nicht, denn alles über eine Meile weg vom Hafen schafft der Seemann auf Landgang nicht – oder wenn, dann nicht bei Sinnen. Aber diesen Dienstag Nachmittag hatten wir es ganz diszipliniert, uns gegenseitig den Mund zuhaltend und einander an den Kaschemmen und Tavernen vorbeizerrend, wieder einmal bis zum KNUST geschafft. Dort erwartete uns bereits der Zuhörer gespannte Meute – nach den ersten Akkorden bildete sich tatsächlich eine ausdauernde und einfallsreiche Spontan-Choreo-Gruppe. Merke, wo andere Bands eine Slam-Dance-Area oder einen Pogo-Pit haben, haben wir eine Hard-Schunkel-Geng.

Unterstützt von vielen alten und vielen neuen Freunden feierten wir zwei Stunden lang eine Extra-Wache ab, die sich mit allen Wassern gewaschen hatte. Wir begossen Pinnes balderwartetes Steuermannspatent, hielten uns  beim warnenden Klang von Thies‘ Glocke der Schamhaftigkeit die Ohren zu und hörten dennoch bei Lous losen Ausplaudereien besonders gut hin. Unser einmaliges Publikum ließ uns dabei auf Wellen der Zuneigung wogen und warf unser gefälliges Geplitscher schunkelnd und singend zurück, bis wir alle in Kreuzseen des Quatsches seelig versanken.

Alsterdorfer Stadtfest am 16. Juli 2017

Der Matrose auf Landgang ist darauf angewiesen, dass er rasch Anschluss bekommt, denn im Prinzip ist er überall, wo nicht „an Bord“ ist, ein Fremder. Daher nutzen wir jede Gelegenheit, uns gerne oft und möglichst schnell bekannt zu machen. Unsere erste Wahl sind die überall an Land gerade im Sommer gerne gefeierten Stadtfeste. So stolperten wir an diesem humiden Sommertag über das Alsterdorfer Stadtfest.

Es war glückliches Geschick, dass die lokale Ordnung von der Hamburger Türsteherlegende Viktor Hacker gewährleistet wurde, mit dem wir uns auf Anhieb gut verstanden. Er fand dann auch –  wie man es von der Zunft gewohnt ist – genau die richtigen Worte für die Ankündigung unseres Auftritts. So öffneten sich uns Ohren und Herzen, in die wir uns sofort,  praktisch auf Engelszungen, hineinschunkelten.

Dem Seemann ist hartäckige Feuchtigkeit in der näheren Umgebung ja ein vertrautes Phänomen, aber der Landratte ist Nässe, insbesondere solche, die von oben kommt, eher suspekt. Entsprechend wussten wir es sehr zu schätzen, dass uns das Alsterdorfer Publikum während unserer zunehmend feuchter werdenden Auftrittszeit nicht nur gewogen, sondern auch noch in erheblichem Maße erhalten blieb.

 

Birdland am 23. Juni 2017

Seit den 80’er Jahren ist das Birdland im angesagten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel die erste Adresse für Freunde musikalischer Delikatessen. An diesem lauen Sommerabend versammelten wir zahlreiche alte und neue Freunde in dieser atmosphärischen Kellerkneipe und entzündeten – entsprechend der seemännischen Selbstverpflichtung bei ausgeprägtem Landgang – ein launiges Leuchtfeuer des nauthentischen Frohsinns.

Unter dem selbstgewählten Motto „Jetzt mal unter uns“  gaben wir uns die Gelegenheit, einmal reichlich Souveniers unseres bisherigen musikalischen Törns auszupacken, die wir entsprechend bereitwillig ergriffen (also Gelegenheit und Souveniers) und dann artig herumreichten. Von Sonnenuntergang bis weit nach Mitternacht schunkelten wir und das Publikum gemeinsam auf unserem handtaschengroßen „La mer“, gruselten uns vor dem speckigen Hut von „Piet Bull“ und lutschten an den Kieseln der „Rosa Bonsche Insel“.

Gerade als es zur Hundewache läutete und wir unsere Lippen zu einem abschließendne Tschüß spitzten, entdeckte Lou hinten auf der Bühne einen Konzertflügel, der uns bis dahin völlig entgangen war. Dass so ein Pianoforte im Prinzip auch nichts anderes ist, als eine horizontale Sehnsuchtsquetsche ohne Fächerfunktion, bewies er, indem er nun einen überraschenden zweiten Teil des Abends  einläutete. Das imponierte insbesondere den Damen, wusste doch bereits Lous großes Vorbild Jopi Heesters: „Man müsste Klavier spielen können“.

Mit viel Tastengeklimper von oben runter, und viel Augengeklimper von unten hoch klang dieser unvergessliche Abend voller Romantizität unter gegenseitigen unglaubwürdigen Beteuerungen aus. Als wir aus den Untiefen der szenigen Kellerbar nach draußen krabbelten, stach uns bereits die Morgensonne in die betränten Augenwinkel.

 

Flaschenpost: Die „Peking“ kehrt heim

Mit der Entwicklung der Dampfmaschine vollzog sich – analog zur Veränderung der binnenländischen Arbeitswelt – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in der etwas tradionstbewussteren (manche sagen: störrischen) Seefahrt eine Revolution, als die schneeweißen Segel langsam aber sicher durch manchmal ebenso schneeweiße Dampfwölkchen verdrängt wurden.

Seinerzeitige moderne Segelschiffe waren allerdings den frühen Dampfern in manchen Aspekten überlegen, wie Bau- und Betriebskosten oder Zuverlässigkeit. Teilweise scheute man sich auch, den feuerbetriebenen Frachtern leicht entflammbare Waren anzuvertrauen. So legte die Hamburger Reederei Laeisz bis kurz nach Betreten des 20. Jahrhunderts eine Flotte an großen stählernen Transportseglern auf, deren Namen sämtlich mit dem Buchstaben P begannen. Aufgrund ihrer Schnelligkeit und der selbst für Segelschiffe spektakulären Größe wurden diese Schiffe unter der Bezeichnung „Flying P-Liner“ bekannt.

Mit seinen Segelschiffen hatte Ferdinand Laeisz auf’s richtige Seepferdchen gesetzt und die stählernen Flitzer fuhren – neben einigem Renomée – auch reichlich Gewinne ein. Im Testament seines Sohnes Carl war somit sogar ein ordentlicher Betrag über, der zur Errichtung eines Musikhauses in Hamburg vorgesehen war, das wenige Jahre später auch entstand. Diese Laeisz-Halle war eines der experimentellsten Konzerthäuser ihrer Zeit, sozusagen Hamburgs Elbphilharmonie… vor der Elbphilharmonie.

Vier Jahre nach Fertigstellung der Laeisz-Halle lief einer der letzten erhaltenen  „Flying P-Liner“ vom Stapel: die Peking. Diese Viermast-Bark von über 100 m Länge rottete lange Zeit in einem Museumshafen in New York vor sich hin. Vor einigen Jahren tat sich eine engagierte Truppe Segelschiff-Enthusiasten zusammen, um die Peking zurück nach Hamburg zu holen und in diesem Sommer war das denn auch soweit. Mit einem sogenannten Dockschiff wurde die wenig seetüchtige Peking über den Atlantik gebracht und kurz vor Brunsbüttel von Schleppern ins Elbwasser gezogen.

Von hier aus reiste die gerade eben so schwimmfähige Veteranin entlang des menschengesäumten Ufers  elbaufwärts bis zum Störsperrwerk. Vorsorglich hatte man die Rahen abmontiert, so konnte die Peking per Klappbrücke in die Stör einfahren, wo sie schließlich bis zur Peters Werft in Wewelsfleth verbracht wurde. Dort liegt sie jetzt und wird geschrubbt, beklopft, entrostet, geradegebogen, geschniegelt, aufgetakelt und bepinselt.

Wenn alles gut klappt, macht die Peking in zwei Jahren an ihrem bereits reservierten Liegeplatz im Hamburger Hafen fest – genau gegenüber der Elbphilharmonie.

KNUST am 4. März 2017

So gesehen von Gordian

In der kalten Jahresszeit hat der Seemann weitestgehend Ruhe. Die interessantesten Meeresgebiete sind noch unfreundlicher als sonst und teilweise mit gemeinen Eisschollen garniert, so dass die Fahrt langsam und das Schiff besonders gefährdet ist.

Groß ist daher die maritime Freude, wenn der Winter vergeht und die Sonne es wieder länger am Himmel aushält, denn dann beginnt wieder die Fahrenszeit. Es ist von alters her guter Brauch, dass wir daher seit letztem Jahr immer zu Anfang März ein großes nauthentisches Fest im KNUST mit alten und neuen  Freunden feiern: den Hamburger Wellenbrecher.

Mit an Bord waren diesmal die bassbaritonen Bilgeratten MacCabe und Kanaka, deren traditionelle Weisen sangesstark von der Shanghaied Shanty Crew unterstützt wurden, einer Shanty Crew, die extra für diesen Abend von den beiden nauthentisch eingeladen (= shanghaied) wurden. Damit eröffneten MacCabe und Kanaka nicht nur das Konzert, sondern auch den internen Wettbewerb um die meisten leichtgläubigen Seelen, die wir am Ende des Abends auf unsere diversen Kähne zu verpflichten gedachten.

Traditionell gingen wir auch in diesem Jahr wieder ein strategisches Zweckbündnis mit unseren verwegenen und -schworenen Lieblingsschurken Mr Hurley & Die Pulveraffen ein. Ihrem tongewordenen piratigen Verführungskünsten setzten wir maritime Ehrbarkeiten entgegen und das Publikum war sichtlich hin- und hergerissen. Tja, und wenn etwas erst hierhin, dann dorthin und dann wieder hierhin gezogen wird, stellt sich das Ziel nauthentischen Bestrebens – das Schunkeln – fast von selbst ein.

Don’t Hassel the Brook

Um zur schieren Charmeoffensive der piratischen Zunft, den allerhöchstentzückenden Schunkelschicksen Miss Ivy Cox und Pegleg Peggy,  einen testosteronen Gegenentwurf  anbieten zu können, hat Bill Brook dieses Jahr seinen kleinen Vetter Hassel mitgebracht, der – obwohl noch ein ganz ganz leichter Matrose  – nahezu auch schon fast vollständig eingekleidet ist …was, den Blicken einiger exaltierter Damen zu Folge, die sich plötzlich in der ersten Reihe sammelten, eigentlich auch schon als ausreichend anzusehen ist.

Hassel machte, neben dem obligatorischen guten  Eindruck, live auf der Bühne seinen Flaggensignal-Schein. Damit das für den jungen und noch ungefestigten Mann keine traumatische Erfahrung wird, haben wir seine Flaggen vorsorglich gegen massive Schilder ausgetauscht, auf denen die jeweiligen Botschaften in einladend-großer Schrift aufgemalt waren.

Tonales Törn-Ende und musikgewordenes Toppsail war unser angeschotteter Freund MacPiet, der die Hundewache einläutete. Er kostete uns eine Menge neuer Besatzungsmitglieder, da so mancher Nachtschwärmer angehörts der schwungvollen und sehnsüchtigen Traditionalitäten des Albischen Peters rum- und tränengeschwängerte Augen bekam, den Blauen Peter übersah und das Ablegen verpasste.

Seemannsmission Altona am 17. September 2016

PG, Kapelle. 17.SeptFür die Seeleute aus aller Herren Länder sind die Seemannsmissionen in den Häfen der Welt eine beliebte Anlaufstelle, denn hier findet der Wogenstreifer selbst in der Fremde neben Seelenbeistand und Unterkunft auch viel Gutes, Sinniges und Besinnliches in Wort und Tat.

Als fernwehkundige Vielfahrensleute, die wir nun einmal sind, war es uns also eine ganz besondere Ehre an diesem muggeligen Abend im Rahmen der Hamburger Langen Nacht der Kirchen  drei, vier Platschkonzerte in den ehrbaren Räumlichkeiten der legendären Seemannsmission Altona am Hamburger Hafen zelebrieren zu dürfen.

In dieser Nacht öffnen nämlich alle Hamburger Kirchen ihre Pforten und Portale und zeigen sich von ihrer besten Seite: Von Innen, mit viel Seele, Licht und Ton und dem einen oder anderen Happen zu essen – so auch die Altonaer Seemansmission mit ihrer lauschigen kleinen Kapelle. Zu diesem Anlass passten wir Vier uns natürlich hervorragend ein: Thies verträgt so manchen Happen, Lou macht auf Allem Töne,  Bill strahlt die ganze Zeit und Pinne gibt gerne Einblick in sein innerstes Seelenleben.

PG.17.SeptDer Abend begann für uns schon bevor wir die Seemannsmission erreichten, denn auf der Straße lauerte uns bereits der Shanty-Chor von Ina’s Nacht auf, die ihre Sendung in einer nebengelegenen Kneipe aufzeichneten, die wir ersteinmal kurzentschlossen aber weiträumig sowie unbemerkt umgehen mussten.

Glückliches Geschick war uns jedoch hold, als es uns gelang, uns in einer Gruppe absichtlich des Weges kommender Seeleute zu verstecken (siehe obiges Suchbild) und uns so vorbei zu schleichen.

Vor teilweise wechselndem Publikum – ein ganzer Schwung wurde sogar mit einer Busladung  herbeigefahren – verkündeten wir dann unsere frohen Botschaften, bis die Herzen gefüllt und die Kehlen trocken waren. Als ebenso lebensbejahende, wie lebensnahe Insitution ist die Seemannsmission glücklicherweise mit einer gemütlichen  Kellerkneipe gesegnet, in der man Spirituelles auftanken kann. Hier holten wir zunächst kurz Luft, dann Bier und schließlich zu einem Nachschlag aus, bei dem wir alle unsere Lieblingslieder in einer etwas beseelteren Variante nochmals an- und auspackten.