Seemannsgarn: Die historische Pressgang

PressgengIm Gegensatz und im direkten Vergleich (zwei wichtige Faktoren des freien Seehandels) mit seinen Konkurrenten -Spanien und Frankreich – war das Englische Königreich, was Ressourcen angeht, grundsätzlich benachteiligt. Juan oder Jean, aufgewachsen an den Traumstränden der Levante, drängte es natürlich – befeuert von den romantischen Melodien, inspiriert durch die spektakulären Sonnenaufgängen von Marseille oder Malaga – auf’s Meer, das dort im Sonnigen Süden ja auch gar nicht so gefährlich wirkt. Für Jim und John aus Plymouth oder Liverpool lag die Sache natürlich anders, wussten die von wegen täglicher Inaugenscheinnahme her doch ganz genau, wie ungastlich der Ozean ist. Genau auf diese unentschlossenen Geister jedoch zielten es die Pressgangs ab, mobile Motivations-Trupps, die, angetan in schnieker Uniform und mit lustig tanzenden Knüppeln in Händen, die nächtlichen Straßen der Küstenstädte durchstreiften. Ein beliebter Trick des damaligen human-Ressources Managements war, eine Münze in den Krug des zukünftigen Interessenten fallen zu lassen. Fischte der diesen Schilling dann aus dem Bier – nahm er also des Königs Sold – galt er rein rechtlich bereits als Soldat. Damals führten die Wirte Bierkrüge mit Glasböden ein, um ihre Kunden zu schützen.

Hotel Atlantic am 12. Juli 2014

Die Pressgeng im AtlanticAuf Eines kommt es bei der Hochzeit vor allem an: Es gilt, die richtigen Worte zu finden. Der falsche Begriff zum falschen Zeitpunkt kann insbesondere während der Vermählung ebenso unbeabsichtigte, wie eklatante Folgen haben.

Daher stehen wir gerade jungen Paaren ganz am Anfang ihrer Karriere gerne zur Seite. Zum einen ist bei solchen Gelegenheiten weiße Kleidung nicht weiter ungewöhnlich, zum anderen gibt’s immer Kuchen und – schließlich und endlich – gilt es ja in den Hafen der Ehe einzulaufen.

Und wenn die Chose dann auch noch in einem Hotel namens Atlantic, in Sichtweite des größten norddeutschen Binnenmeers „Alster“ steigt, heißt es für uns: „Volle Kraft voraus, Ahoi!“.

Knust am 6. Juni 2014

Der Lattenplatz vor dem legendärem KNUST, der kulturellen Oase auf der geografischen Schnittmenge zwischen Hamburger Schanzen- und Karoviertel,  ist mit Planken ausgelegt und dem Seemann fällt es hier deshalb leicht, sich an Bord seines Schiffes zu träumen. Wenn man die Augen dabei ein klein wenig zusammenkneift, dann scheint das silbrige Band der nahen Feldstraße glatt wie küstennahe Brandung zu glitzern und das Gerausche der Autos wird zu heimeligem Wellengeschwappe.

PG Juni Knust

Nun braucht das nur noch etwas Geschunkle, um das Auf und Ab des Wellengangs zu simulieren – man gut, dass wir immer etwas Schunkelmunition dabei haben und uns auch nicht scheuen, die auszupacken. So shanghaiten wir uns an diesem lauen Sommerabend sowohl all die absichtlich Her- als auch die zufällig Vorbeigekommenen zu uns an Bord und schipperten eine nauthentische  Runde durchs Szeneviertel.

Piratenvaddertach am 29. Mai 2014

PG PiratenvaddertachDas malerische Städtchen Soltau, schönstes Röslein der Heide, verfügt über einen Freizeitpark und einen Designer-Outlet. Hätte Soltau nun noch eine Bundesliga-Mannschaft, wäre es wirklich eine Stadt für die ganze Familie.

Aber dieser Tage tat sich auch mal was für die Männer der Gegend; zwei prächtige Barks stachen mitten auf einer Waldlichtung in See … äh … Gras, und die Parole erklang: Piratenvaddertach is‘! Wo aber arglosen Familien das Piratentum, Geißel der See, als leutseliges event mit gutem Essen und reichlich Bier verkauft wird, da schunkeln wir sofort energisch ein.

Gulden Leeuw, Hamburger Hafen am 9. Mai 2014

PG an Bord (G.Leeuw)Der schnittige Schoner Gulden Leeuw ist natürlich genau unsere Art von Schiff. Daher stiegen wir ohne viel Überlegen ein, als man uns nahelegte, unsere Maritimen Melodien angelegentlich eines rasanten Törns während des Hamburger Hafengeburtstags ins innen und außen gut angefeuchtete Rund zu schmettern.

Lou+Thies (G.Leeuw)Mit den allerglaubwürdigsten Stories unserer zahlreichen Abenteuer ließen wir zum Wohle der Passagiere  – auch und gerade mithilfe reichhaltiger spirituoser Spezereien – die Grenzen zwischen Erdachtem und Erhofftem verschwimmen und trennten uns erst von unserem Publikum, als die Gulden Leeuw bereits energisch am Pier anklopfte.

Engelsaal am 18. März 2014

Nu‘ war das denn endlich soweit. Unter dem Motto ‚Seemann, lass das Träumen‘ lockten wir geneigtes Publikum zahlreich zu unserer Nauthentischen Revue vor die ehrwürdige Bühne des Hamburger Engelsaals … und definierten mit unserem schwergewichtigem Auftritt das Schlagwort von der ‚Leichten Muse‘ völlig neu. Engelssaal Mrz14(2)
Zum Ausgleich – denn gut getrimmt, ist halb gesegelt – erbaten wir uns denn zum Höhepunkt der Darbietung eine originale Nauthentische Muse zu uns auf die Bühne. Links nebenstehend seht Ihr die Jungs eine dreifache Breitseite an Schmacht und Herzschmerz, auf die tapfere Matrosin abfeuern.

Engelsaal am 2. und 15. März 2014

Leerer Saal. Voller Erfolg. Alle shanghait.

Leerer Saal. Voller Erfolg. Alle shanghait.

Die Arbeit einer Pressgeng ist mitunter mühsam. Um Publikum für einen vollen Theatersaal in den „Dienst“ zu pressen – also zu shanghaien – sind Nachhaltigkeit und Hartnäckigkeit vonnöten.

Deshalb waren wir planmäßig am 2. März bei der Engelsaalgeburtstagsfeier als Überraschungsgäste und zwei Wochen später am nochmals, diesmal überraschend, am selben Ort im Programm unseres Freundes Jochen Wiegandt, um möglichst vielen Gästen unseren folgenden Hauptauftritt im Engelsaal schmackhaft zu machen.

Taverna Cerritus am 18. Januar 2014

Die Taverna Cerritus ist einerseits in Bergedorf, andererseits die aller-erste Adresse für jeden, der mal mit einem halben Ohr in Phantastische Welten und Unglaubliche Begebenheiten hineinhorchen möchte … aber eben auch in Bergedorf.
Aber wir scheuten den Weg an diesem kühlen Winterabend nicht, da unsere minderbezahnten Freunde von Mr Hurley & Die Pulveraffen uns anlässlich eines gemeinsamen Konzertes mit der Kilkenny-Band auf die von sechshundert feierwütigen Augen beobachtete Bühne gebeten hatten. Für die Gelegenheit ließen wir mal gängige Vorbehalte gegenüber seeräuberischem Gelichter fahren und spannten die Saiten auf.

Interprofessionelle Zusammenarbeit - so gesehen von Maron

Interprofessionelle Zusammenarbeit – so gesehen von Maron

Das Publikum ließ uns dann auch erst in den frühen Morgenstunden wieder von der Bühne runter, nachdem wir den Leuten mit einem ebenso professions- wie sprach- als auch Band- und überhaupt sinnübergreifendem ‚Irish Rover‘ so gründlich eingeheizt hatten, dass sogar die ehrwürdigen Wände des Tonnengewölbes der Taverna Cerritus in’s Schwitzen kamen.

Seemannsgarn: Backbord & Steuerbord

Die rechte und die linke Faust des Shanty

Die rechte und die linke Faust des Shanty

‚Backbord ist links und Steuerbord ist rechts‘

… soweit ein weitverbreiteter Irrglaube, der dem unsachgemäßen Engagement kenntnisbefreiter Landratten im ureigensten Aufgabengebiet des Seemannes, dem Klugschnacken, geschuldet ist. Dabei sind das ja gar keine Positions-, sondern Richtungsangaben, nämlich in Fahrtrichtung, und zwar stets bezüglich des Schiffes. Die Begriffe stammen – wie so vieles – von Früher. Damals gab es nur ganz kleine Schiffe, und wer das Sagen hatte, der saß immer am Steuer – nur war das zu der Zeit noch gar kein Steuer, sondern nur so’n Rundholz an dem nach hintenraus ein Ruderblatt angenagelt war (Schrauben gab es nämlich noch nicht). Der Skipper (Kapitäne waren auch noch nicht erfunden) saß links neben dieser sogenannten ‚Pinne‘ und drückte sie, wenn er nach links fahren wollte, von sich weg, also nach rechts. Das klang auch damals schon verwirrend, daher gab man dem Steuerbedarf in dieser Richtung den Namen ‚Steuerbord‘. War der Richtungsänderungsabsicht Genüge getan, zog der Steuernde die Pinne wieder an sich ran, also zurück. Und das heißt nuneinmal im Englischen back, daher benannte man eben diese Richtung ‚Backbord‘. Lustigerweise sagen ausgerechnet die Briten zu dieser Richtung nun ‚Port‘, aber die waren ja schon immer etwas eigen.

Weihnachtsfeier am 12. Dezember 2013

Viele Sagen, Mythen und Stories ranken sich um’s Wacken Open Air, das legendäre Musikfestival in Schleswig-Holstein. Aber drei Dinge sind allemal Fakt: Die Wacken-Leute verstehen zu feiern, etwas von Musik und sind echte Nordlichter. Da das Alles auch auf uns zutrifft, freuten wir uns einen Keks und drei Krümel, als uns vom ICS Festival Service vorgeschlagen wurde, deren Weihnachtsfeier auf dem Nord-Ostsee-Kanal ordnungsgemäß ein- und auszuläuten. An diesem frostigen Dezembertag ging es also für uns bei Hochdonn an Bord der ‚Nordstern‘. Und während der Cruiser nach Brunsbüttel und zurück schipperte, schepperten wir unsere maritimen Melancholien in die ’niemals-wieder-ganz-so-stille‘ dithmarscher Nacht.