Birdland am 23. Juni 2017

Seit den 80’er Jahren ist das Birdland im angesagten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel die erste Adresse für Freunde musikalischer Delikatessen. An diesem lauen Sommerabend versammelten wir zahlreiche alte und neue Freunde in dieser atmosphärischen Kellerkneipe und entzündeten – entsprechend der seemännischen Selbstverpflichtung bei ausgeprägtem Landgang – ein launiges Leuchtfeuer des nauthentischen Frohsinns.

Unter dem selbstgewählten Motto „Jetzt mal unter uns“  gaben wir uns die Gelegenheit, einmal reichlich Souveniers unseres bisherigen musikalischen Törns auszupacken, die wir entsprechend bereitwillig ergriffen (also Gelegenheit und Souveniers) und dann artig herumreichten. Von Sonnenuntergang bis weit nach Mitternacht schunkelten wir und das Publikum gemeinsam auf unserem handtaschengroßen „La mer“, gruselten uns vor dem speckigen Hut von „Piet Bull“ und lutschten an den Kieseln der „Rosa Bonsche Insel“.

Gerade als es zur Hundewache läutete und wir unsere Lippen zu einem abschließendne Tschüß spitzten, entdeckte Lou hinten auf der Bühne einen Konzertflügel, der uns bis dahin völlig entgangen war. Dass so ein Pianoforte im Prinzip auch nichts anderes ist, als eine horizontale Sehnsuchtsquetsche ohne Fächerfunktion, bewies er, indem er nun einen überraschenden zweiten Teil des Abends  einläutete. Das imponierte insbesondere den Damen, wusste doch bereits Lous großes Vorbild Jopi Heesters: „Man müsste Klavier spielen können“.

Mit viel Tastengeklimper von oben runter, und viel Augengeklimper von unten hoch klang dieser unvergessliche Abend voller Romantizität unter gegenseitigen unglaubwürdigen Beteuerungen aus. Als wir aus den Untiefen der szenigen Kellerbar nach draußen krabbelten, stach uns bereits die Morgensonne in die betränten Augenwinkel.