Flaschenpost: Die „Peking“ kehrt heim

Mit der Entwicklung der Dampfmaschine vollzog sich – analog zur Veränderung der binnenländischen Arbeitswelt – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in der etwas tradionstbewussteren (manche sagen: störrischen) Seefahrt eine Revolution, als die schneeweißen Segel langsam aber sicher durch manchmal ebenso schneeweiße Dampfwölkchen verdrängt wurden.

Seinerzeitige moderne Segelschiffe waren allerdings den frühen Dampfern in manchen Aspekten überlegen, wie Bau- und Betriebskosten oder Zuverlässigkeit. Teilweise scheute man sich auch, den feuerbetriebenen Frachtern leicht entflammbare Waren anzuvertrauen. So legte die Hamburger Reederei Laeisz bis kurz nach Betreten des 20. Jahrhunderts eine Flotte an großen stählernen Transportseglern auf, deren Namen sämtlich mit dem Buchstaben P begannen. Aufgrund ihrer Schnelligkeit und der selbst für Segelschiffe spektakulären Größe wurden diese Schiffe unter der Bezeichnung „Flying P-Liner“ bekannt.

Mit seinen Segelschiffen hatte Ferdinand Laeisz auf’s richtige Seepferdchen gesetzt und die stählernen Flitzer fuhren – neben einigem Renomée – auch reichlich Gewinne ein. Im Testament seines Sohnes Carl war somit sogar ein ordentlicher Betrag über, der zur Errichtung eines Musikhauses in Hamburg vorgesehen war, das wenige Jahre später auch entstand. Diese Laeisz-Halle war eines der experimentellsten Konzerthäuser ihrer Zeit, sozusagen Hamburgs Elbphilharmonie… vor der Elbphilharmonie.

Vier Jahre nach Fertigstellung der Laeisz-Halle lief einer der letzten erhaltenen  „Flying P-Liner“ vom Stapel: die Peking. Diese Viermast-Bark von über 100 m Länge rottete lange Zeit in einem Museumshafen in New York vor sich hin. Vor einigen Jahren tat sich eine engagierte Truppe Segelschiff-Enthusiasten zusammen, um die Peking zurück nach Hamburg zu holen und in diesem Sommer war das denn auch soweit. Mit einem sogenannten Dockschiff wurde die wenig seetüchtige Peking über den Atlantik gebracht und kurz vor Brunsbüttel von Schleppern ins Elbwasser gezogen.

Von hier aus reiste die gerade eben so schwimmfähige Veteranin entlang des menschengesäumten Ufers  elbaufwärts bis zum Störsperrwerk. Vorsorglich hatte man die Rahen abmontiert, so konnte die Peking per Klappbrücke in die Stör einfahren, wo sie schließlich bis zur Peters Werft in Wewelsfleth verbracht wurde. Dort liegt sie jetzt und wird geschrubbt, beklopft, entrostet, geradegebogen, geschniegelt, aufgetakelt und bepinselt.

Wenn alles gut klappt, macht die Peking in zwei Jahren an ihrem bereits reservierten Liegeplatz im Hamburger Hafen fest – genau gegenüber der Elbphilharmonie.