KNUST am 4. März 2017

So gesehen von Gordian

In der kalten Jahresszeit hat der Seemann weitestgehend Ruhe. Die interessantesten Meeresgebiete sind noch unfreundlicher als sonst und teilweise mit gemeinen Eisschollen garniert, so dass die Fahrt langsam und das Schiff besonders gefährdet ist.

Groß ist daher die maritime Freude, wenn der Winter vergeht und die Sonne es wieder länger am Himmel aushält, denn dann beginnt wieder die Fahrenszeit. Es ist von alters her guter Brauch, dass wir daher seit letztem Jahr immer zu Anfang März ein großes nauthentisches Fest im KNUST mit alten und neuen  Freunden feiern: den Hamburger Wellenbrecher.

Mit an Bord waren diesmal die bassbaritonen Bilgeratten MacCabe und Kanaka, deren traditionelle Weisen sangesstark von der Shanghaied Shanty Crew unterstützt wurden, einer Shanty Crew, die extra für diesen Abend von den beiden nauthentisch eingeladen (= shanghaied) wurden. Damit eröffneten MacCabe und Kanaka nicht nur das Konzert, sondern auch den internen Wettbewerb um die meisten leichtgläubigen Seelen, die wir am Ende des Abends auf unsere diversen Kähne zu verpflichten gedachten.

Traditionell gingen wir auch in diesem Jahr wieder ein strategisches Zweckbündnis mit unseren verwegenen und -schworenen Lieblingsschurken Mr Hurley & Die Pulveraffen ein. Ihrem tongewordenen piratigen Verführungskünsten setzten wir maritime Ehrbarkeiten entgegen und das Publikum war sichtlich hin- und hergerissen. Tja, und wenn etwas erst hierhin, dann dorthin und dann wieder hierhin gezogen wird, stellt sich das Ziel nauthentischen Bestrebens – das Schunkeln – fast von selbst ein.

Don’t Hassel the Brook

Um zur schieren Charmeoffensive der piratischen Zunft, den allerhöchstentzückenden Schunkelschicksen Miss Ivy Cox und Pegleg Peggy,  einen testosteronen Gegenentwurf  anbieten zu können, hat Bill Brook dieses Jahr seinen kleinen Vetter Hassel mitgebracht, der – obwohl noch ein ganz ganz leichter Matrose  – nahezu auch schon fast vollständig eingekleidet ist …was, den Blicken einiger exaltierter Damen zu Folge, die sich plötzlich in der ersten Reihe sammelten, eigentlich auch schon als ausreichend anzusehen ist.

Hassel machte, neben dem obligatorischen guten  Eindruck, live auf der Bühne seinen Flaggensignal-Schein. Damit das für den jungen und noch ungefestigten Mann keine traumatische Erfahrung wird, haben wir seine Flaggen vorsorglich gegen massive Schilder ausgetauscht, auf denen die jeweiligen Botschaften in einladend-großer Schrift aufgemalt waren.

Tonales Törn-Ende und musikgewordenes Toppsail war unser angeschotteter Freund MacPiet, der die Hundewache einläutete. Er kostete uns eine Menge neuer Besatzungsmitglieder, da so mancher Nachtschwärmer angehörts der schwungvollen und sehnsüchtigen Traditionalitäten des Albischen Peters rum- und tränengeschwängerte Augen bekam, den Blauen Peter übersah und das Ablegen verpasste.